Wieso schmeckt der Kaffee im Café besser als zu Hause?
Kaffee gehört für viele Menschen fest zum Alltag. Morgens sorgt er für einen angenehmen Start in den Tag, am Nachmittag begleitet er eine kleine Pause und beim Treffen mit Freunden darf die Tasse Cappuccino oder Café Crema ebenfalls nicht fehlen. Auffällig ist allerdings, dass Kaffee im Café häufig voller, aromatischer und ausgewogener schmeckt als das Getränk aus der eigenen Küche.
Das liegt nicht zwangsläufig daran, dass Baristas über ein besonderes Geheimrezept verfügen. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Kaffeebohnen, Mahlgrad, Maschine, Wasser und Zubereitung beeinflussen den Geschmack wesentlich stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Viele dieser Punkte lassen sich auch zu Hause berücksichtigen.
Warum Kaffee im Café oft aromatischer schmeckt
In einem guten Café wird die Kaffeezubereitung als Zusammenspiel verschiedener Arbeitsschritte betrachtet. Die Bohnen werden passend zum gewünschten Getränk ausgewählt, unmittelbar vor der Zubereitung gemahlen und anschließend unter kontrollierten Bedingungen aufgebrüht. Dadurch lassen sich die in den Bohnen vorhandenen Aromen besser herausarbeiten.
Hinzu kommt die Erfahrung des Personals. Ein Barista erkennt beispielsweise, wenn ein Espresso zu schnell durchläuft oder ungewöhnlich bitter schmeckt. Mahlgrad, Kaffeemenge oder Brühzeit können daraufhin angepasst werden. Zu Hause läuft die Zubereitung dagegen häufig nach Gewohnheit ab, selbst wenn sich Bohnen, Luftfeuchtigkeit oder Einstellungen der Maschine verändert haben.
Die Qualität der Kaffeebohnen macht den Unterschied
Der Geschmack einer Tasse Kaffee beginnt lange vor dem Aufbrühen. Herkunft, Sorte, Anbauhöhe und Röstung prägen das Aroma der Bohnen. Hochwertiger Kaffee kann je nach Sorte beispielsweise Noten von Schokolade, Nüssen, Beeren, Karamell oder Zitrusfrüchten entwickeln.
Cafés beziehen ihre Bohnen häufig von Röstereien, die genau auf die spätere Zubereitung abgestimmte Mischungen anbieten. Für Espresso werden andere Röstprofile gewählt als für Filterkaffee. Gleichzeitig spielt das Alter der Bohnen eine wichtige Rolle. Kaffee verliert nach der Röstung nach und nach einen Teil seiner flüchtigen Aromastoffe.
Auch die Ausstattung in der Gastronomie unterscheidet sich deutlich von vielen Haushaltsgeräten. Eine professionelle Kaffeemaschine für den Gastro Betrieb ist darauf ausgelegt, bei zahlreichen Bezügen möglichst gleichbleibende Bedingungen für Temperatur und Druck zu schaffen. Gute Bohnen können dadurch reproduzierbarer verarbeitet werden.
Mahlgrad und Mühle beeinflussen das Ergebnis
Selbst hervorragende Kaffeebohnen liefern kein überzeugendes Ergebnis, wenn sie falsch gemahlen werden. Der Mahlgrad bestimmt, wie schnell das Wasser durch das Kaffeepulver fließt und wie viele Geschmacksstoffe dabei gelöst werden.
Zu grob oder zu fein verändert den Geschmack
Bei einem sehr groben Mahlgrad läuft Wasser schnell durch das Kaffeemehl. Der Kaffee kann dünn und säuerlich wirken, weil nicht genügend Aromastoffe herausgelöst wurden. Ein zu feiner Mahlgrad bewirkt das Gegenteil. Das Wasser benötigt länger und kann verstärkt Bitterstoffe aufnehmen.
Eine hochwertige Kaffeemühle gehört deshalb zu den wichtigsten Geräten hinter einer Cafétheke. Sie erzeugt möglichst gleichmäßig große Kaffeepartikel. Zu Hause kann bereits eine gute elektrische Mühle mit Mahlwerk einen spürbaren Unterschied gegenüber vorgemahlenem Kaffee bewirken.
Professionelle Kaffeemaschinen sorgen für gleichmäßige Bedingungen
In der Gastronomie müssen Kaffeemaschinen viele Getränke hintereinander zubereiten können, ohne dass sich die Qualität stark verändert. Temperatur, Wassermenge und Druck sollen möglichst konstant bleiben. Das erleichtert es, einen Espresso immer wieder mit vergleichbarem Geschmack zuzubereiten.
Druck und Brühzeit müssen zusammenpassen
Bei Espresso wird heißes Wasser mit Druck durch fein gemahlenes Kaffeepulver geleitet. Dabei werden innerhalb kurzer Zeit zahlreiche Aromastoffe und Öle gelöst. Stimmen Kaffeemenge, Mahlgrad und Brühzeit miteinander überein, entsteht ein kräftiger Espresso mit einer ausgewogenen Mischung aus Säure, Süße und Bitterkeit.
Eine teure Maschine allein garantiert allerdings noch keinen guten Kaffee. Reinigung, Einstellungen und die verwendeten Bohnen bleiben ebenso wichtig. Selbst professionelle Technik liefert schlechte Ergebnisse, wenn alte Kaffeereste oder Ablagerungen den Geschmack beeinträchtigen.
Wasserqualität und Brühtemperatur richtig nutzen
Eine Tasse Kaffee besteht zum größten Teil aus Wasser. Entsprechend deutlich wirkt sich dessen Zusammensetzung auf den Geschmack aus. Sehr hartes Wasser kann feine Aromen überdecken und außerdem Kalkablagerungen in der Kaffeemaschine fördern. Sehr weiches Wasser kann den Kaffee dagegen flach wirken lassen.
Die Temperatur beeinflusst die Extraktion
Auch die Wassertemperatur verändert das Ergebnis. Ist das Wasser zu kühl, werden bestimmte Aromastoffe nicht ausreichend gelöst. Bei zu hoher Temperatur können Bitterstoffe stärker hervortreten.
Gute Kaffeemaschinen halten die Temperatur während des Brühvorgangs möglichst konstant. Bei manuellen Zubereitungsarten lohnt es sich ebenfalls, darauf zu achten. Kochendes Wasser sollte bei vielen Zubereitungsverfahren nicht unmittelbar über das Kaffeepulver gegossen werden.
Die Bedeutung von Frische und richtiger Lagerung
Nach dem Öffnen einer Kaffeepackung reagieren die Bohnen mit Sauerstoff. Gleichzeitig können Licht, Wärme und Feuchtigkeit den Aromaverlust beschleunigen. Kaffee sollte deshalb trocken, dunkel und möglichst luftgeschützt gelagert werden.
Ganze Bohnen behalten ihr Aroma länger
Gemahlener Kaffee besitzt eine wesentlich größere Oberfläche als ganze Bohnen. Dadurch entweichen Aromastoffe schneller. Wer seinen Kaffee unmittelbar vor der Zubereitung mahlt, kann daher einen deutlichen Unterschied feststellen.
Eine luftdicht schließende Dose ist für die Aufbewahrung meist sinnvoller als ein dauerhaft geöffneter Beutel. Der Kühlschrank ist dagegen nicht automatisch der beste Lagerort. Kaffee kann dort Feuchtigkeit und Gerüche anderer Lebensmittel aufnehmen.
So gelingt Kaffee wie im Café auch zu Hause
Für besseren Kaffee muss die heimische Küche nicht vollständig mit professioneller Gastronomietechnik ausgestattet werden. Mehr Aufmerksamkeit bei Bohnen, Mahlgrad und Zubereitung bringt häufig schon erstaunliche Verbesserungen.
Kleine Veränderungen haben große Wirkung
Frisch geröstete ganze Bohnen bilden eine gute Grundlage. Eine geeignete Kaffeemühle ermöglicht es, den Mahlgrad an die jeweilige Zubereitungsart anzupassen. Gleichzeitig sollte die verwendete Kaffeemenge möglichst konstant bleiben. Wer Veränderungen vornimmt, sollte immer nur einen Faktor ändern. So lässt sich leichter feststellen, welche Einstellung den Geschmack tatsächlich verbessert.
Regelmäßige Reinigung gehört ebenfalls dazu. Kaffeeöle lagern sich in Mühlen, Siebträgern und Brüheinheiten ab und können mit der Zeit unangenehm schmecken. Auch Wasserbehälter und Milchsysteme sollten gründlich sauber gehalten werden.
Ein wenig Experimentieren gehört zur Kaffeezubereitung dazu. Verschiedene Bohnen, Röstungen und Mahlgrade bringen sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen hervor. Auf diese Weise lässt sich nach und nach herausfinden, welche Kombination am besten zum eigenen Geschmack passt.
Fazit
Dass Kaffee im Café häufig besser schmeckt als zu Hause, liegt selten an einem einzigen Faktor. Gute Bohnen, eine passende Mühle, kontrollierte Brühtemperaturen, geeignetes Wasser und Erfahrung bei der Zubereitung ergänzen sich gegenseitig.
Viele dieser Voraussetzungen lassen sich auch in der eigenen Küche schaffen. Besonders frische Bohnen und das Mahlen unmittelbar vor der Zubereitung können bereits viel verändern. Wer zusätzlich auf Wassermenge, Temperatur, Sauberkeit und Lagerung achtet, kommt dem Geschmack eines guten Cafékaffees erstaunlich nahe. Am Ende entscheidet nicht der Preis der Ausstattung, sondern wie sorgfältig die einzelnen Schritte der Zubereitung aufeinander abgestimmt sind.